Erle

Baumorakel 

Erle

Die Erle steht zwischen den Welten, braucht Wasser und Land. Die Erle zeigt Dir, wie auch Du vermeintliche Gegensätze in Einklang bringen kannst.

Steckbrief Erle

Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

Gattung: Erlen

keltisch: verno

altirisch: fearn

Symbolik der Erle

Wer kennt nicht Goethes berühmtes Gedicht, in dem der Erlkönig versucht, ein Kind aus den Armen des Vaters in sein geheimnisvolles Reich zu locken. Am Ende des Gedichts stirbt das Kind nach der Berührung des Erlkönigs. Erlen wachsen gerne an düsteren und unheimlichen Orten. Sie lieben eine feuchte Umgebung und sind so in Sumpf- und Moorlandschaften anzutreffen, auch an Seen, Bächen und Flüssen gedeihen sie sehr gut. Sie bilden so eine Verbindung zwischen den zwei Elementen, ein Tor zwischen zwei Welten, wie man früher glaubte. Kein Wunder, dass unsere Vorfahren die Standorte der Erlen besonders bei Dunkelheit mieden und dass sich viele Mythen und Legenden um diesen auf den ersten Blick eher unscheinbaren Baum ranken. Feen, Elfen und Moorgeister sollten sich des Nachts bei den Erlen zum Tanz versammeln. Die Erlkönigin, des Erlkönigs Tochter in ihrem roten Kleid sollte beginnen zu bluten und zu klagen, wenn man eine Erle versuchte zu fällen, im Nebel tanzt sie mit den Elfen und versucht, Wanderer in ihr Reich zu locken. Wer ihr nicht folgt, dem bringt sie den Tod. Doch die Erle war nicht nur negativ belegt. Häufig ist die Erle eine Pionierpflanze auf unbewachsenen Arealen. Sie gibt sich auch mit nährstoffarmen Böden zufrieden und reichert diese an, so dass dort bald auch weitere Pflanzen gedeihen. Das Holz der Erle verfault nicht im Wasser. So nutzten unsere Vorfahren es zum Bau von Pallisaden, Pfahlbauten und Bohlendämmen. Die Erle symbolisierte damit auch Schutz und Beständigkeit, Großzügigkeit und Wohlergehen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Wasserbaum Erle für zwei Aspekte des Elements steht: die zerstörerische und totbringede Kraft und seine Leben spendende fruchtbare Stärke.

Traumdeutung Erle

In der Traumdeutung gibt es wenig über die Erle zu finden. Hier wird sie allgemein als Verkünderin guter Zeiten gesehen.

Die Erle als Baum der Götter

Die Erle galt als Tor zur Anderswelt, zur Welt der Götter und der Toten. In der Erle offenbart sich die gleiche Göttin als Totengöttin, die in ihrer Jugend in der Birke als lichtbringende Gestalt erscheint und als Gemahlin des Sonnengotts. Morrigane hat in der Erle eine Heimstatt und man glaubte, sie könne den Menschen als schöne oder scheußliche Gestalt erschienen. Schon im vorkeltischen Neolithikum waren Erlengründe Orte der Toten und Opferstätten. Bei den keltischen Völkern wird der Geist der Erle nicht mehr unmittelbar mit der Totengöttin in Zusammenhang gebracht. Hier ist die Erle der Baum des Bran, des Riesenkönigs aus den walisischen Sagen, einem totbringendem Krieger. In der “Schlacht der Bäume” heißt es:

“Die langen Reiser der Erle an Deinem Schild,

Bran bist du genannt,  nach den schimmernden Zweigen (…)

Die langen Reiser der Erle in deiner Hand,

Bran bist du, nach dem Zweig, den du trägst.”

Man assoziierte mit ihm auch die kräftig rote Färbung der Erlknospen und nannte es Königspurpur. Bran is der Begleiter der Toten. Sein Vogel ist die aasfressende Krähe. Doch besitzt Bran einen Kessel, mit dessen Hilfe er Vergangenes in die Zukunft umwandeln kann. In diesem Kessel macht er Tote wieder lebendig und manch ein Brauch um die Erle lässt sich so erklären. Bran steht nicht nur für den Tot, sondern auch für den schützenden und Leben spendenen Aspekt der Erle. Bran verdrängte die Göttin und mit der Christianisierung geriet sie mehr und mehr in Vergessenheit bzw. trat nun mehr als gewöhnliche Hexe auf.

Die Erle wurde zudem mit der Webkunst und Arianrhod, einer der Göttinnen des Spinnens, in Verbindung gebracht. Bei den Kelten hieß es, man könne mit Hilfe der Erle bei der Tuchherstellung magische Absichten in das Gewebe einbinden.

Die Erle als Heilpflanze

In Volksmedizin spielte die Erle eine sehr geringe Rolle. Die Nonne und mittelalterliche Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen sahr die Erle als Beispiel für einen völlig nutzlosen Baum an. Vielerorts glaubte man allerdings, dass zerriebene Erlenblätter gegen Flöhe, Wanzen, Mäuse und anderes “angehextes” Getier helfen würden.

Einzig die Schwarzerle findet in der Naturheilkunde dank ihrer zahlreichen Gerbstoffe und Fettsubstanzen Einsatz bei Fieber, Angina, Halsschmerzen und kleineren Wunden.

Baumorakel Erlen-Karte richtig herum gezogen

Leben, Tod, Erneuerung

Die Erle ist ein auf den ersten Blick nicht allzu auffälliger Baum. Von mittlerer Statur sind ihr augenfälligstes Merkmal die roten Blütenknospen. Doch in der Erle steckt eine große Kraft und sie vereint in sich viele vermeintliche Gegensätze. Erscheint die Erle in den Karten, will sie Dir dabei helfen, die vermeintlichen Gegensätze in Deinem Leben in Einklang zu bringen. Im Mittelalter war es üblich, Erlenzweige zum Schutz vor Verwünschungen aufzuhängen. Die Erle bietet auch Dir ihren Schutz, denn ihre Medizin bringt große Fürsorge mit. Wie sie als Pionierbaum in kahlen Gegenden den Boden mit anorganischen Stickstoffverbindungen anreichert, um den Weg für andere Pflanzen zu ebnen, so hilft sie auch Dir, Deinen Weg zu bereiten. Sie bietet Dir Nahrung und Schutz: physisch, emotional und spirituell. Sie erinnert Dich daran, Kraft und Mut mit geistiger Großzügigkeit zu vereinen. Sie zeigt Dir, wann es Zeit ist für Zurückhaltung und wann Du eine Herausforderung annehmen solltest, wann Du auf Abstand gehen solltest und welche Dinge Du Dir ruhig zu Herzen nehmen kannst. In Zeiten von Ängsten, Gefühlsschwankungen, Nervosität und Stress kommt die Erle zu Dir mit ihrer Medizin, um Dir den nötigen Ausgleich zu bringen. Sieh Dich genau um und überlege, welche Dinge in Deinem Leben und welche Menschen Dir gut tun und was Dir schadet. Geh auf Distanz zu dem, was Dir schadet.  Nimm Dir nicht alles gleich zu Herzen und vor allem Dingen, nimm nicht alles sofort persönlich. Vielleicht ist es für Dich an der Zeit, ein paar Dinge differenzierter und mehr mit dem Verstand als aus einem spontanen Gefühl heraus zu betrachten. Die Erle stärkt Dein inneres Schutzschild. Mit der Erle bricht eine Zeit an, in der Du Dein Urteilsvermögen von Vorurteilen und Zweifeln befreien solltest. Sei entschlossen. Die Erle zeigt Dir, wie Du fürsorglich und mitfühlend sein kannst, ohne Dich dabei selbst zu verleugnen. Ihr Schutz ist von sanfter Natur, doch wird sie stark angegriffen, wie von strömendem Wasser, dann wird ihr Holz hart wie Stein.

Baumorakel Erlen-Karte auf dem Kopf gezogen

Im Schatten der Erle: Einsamkeit, Opferbereitschaft, Gefühlskälte

Wenn man eine Erle verletzt oder fällt, färbt sich ihr Saft rötlich. Bei unseren Vorfahren war daher der Glaube verbreitet, der Baum opfere sein Blut, um das Land zu verteidigen. So wurde die Erle auch “blutende Mutter” genannt.

Erscheint Dir die Erle auf dem Kopf, dann kann es sein, dass sie Dich darauf hinweisen möchte, dass Du in der letzten Zeit zu viel geopfert hast. Welche Grenzen hast Du für die Belange anderer oder auch für die Erfüllung Deiner eigenen Wünsche überschritten? Diese Grenzen können unterschiedlicher Natur sein. Vielleicht hast Du moralische Grenzen überschritten um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen, Grenzen, die Du Dir früher einmal anders gesteckt hattest. Vielelicht bist Du auch einfach an eine körperliche Grenze gelangt und schadest Deiner Gesundheit. Es ist an der Zeit, dass Du Dir wieder überlegst, wer Du sein möchtest und vor allem, was Du mit gutem Gewissen und ohne Dir selbst oder anderen zu schaden dafür tun kannst. Die Erle hilft Dir mit ihrer Medizin, wieder das richtige Maß zu finden.

Die Erle auf dem Kopf kann auch bedeuten, dass Du zur Zeit zu oft Deinen Verstand und Deine Vernunft gebraucht und zu selten auf Dein Herz gehört hast. Auch in diesem Fall musst Du lernen wieder in Dich hinein zu horchen und Verstand und Gefühl in zu Harmonie bringen.

Die Erle lehrt uns oftmals Distanz zu halten, zu Dingen oder Menschen. Erscheint sie auf dem Kopf, hast Du vielleicht auch hier ein Übermaß ihrer Medizin geschluckt und mit Deiner Taktik auf Abstand zu gehen, Menschen oder Dinge aus Deinem Leben zu voreilig oder zu hart verbannt. Ist dies der Fall, solltest Du dringend auf Versöhnungskurs gehen. Denn auch wenn die Erle ein Pionierbaum ist, auf Dauer bleibt sie nicht gern allein. Manchmal möchten wir gerne glauben, ein einsamer Kämpfer oder Vorreiter zu sein, dabei sind wir einfach nur einsam.

Gedicht zur Erle

Erlkönigs Tochter

Herr Oluf reitet spät und weit,

Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;

Da tanzen die Elfen auf grünem Land,

Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.

„Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier?

Tritt her in den Reihen und tanz mit mir.“

„Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

Frühmorgen ist mein Hochzeittag.“

„Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,

Zwei güldne Sporne schenk ich dir.

Ein Hemd von Seide so weiß und fein,

Meine Mutter bleicht’s mit Mondenschein.“

„Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.“

„Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir,

Einen Haufen Goldes schenk ich dir.“

„Einen Haufen Goldes nähm ich wohl;

Doch tanzen ich nicht darf noch soll.“

„Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,

Soll Seuch und Krankheit folgen dir.“

Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz,

Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.

Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd.

„Reit heim nun zu deine’m Fräulein wert.“

Und als er kam vor Hauses Tür,

Seine Mutter zitternd stand dafür.

„Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich,

Wie ist dein‘ Farbe blaß und bleich?“

„Und sollt sie nicht sein blaß und bleich,

Ich traf in Erlenkönigs Reich.“

„Hör an, mein Sohn, so lieb und traut,

Was soll ich nun sagen deiner Braut?“

„Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund,

Zu proben da mein Pferd und Hund.“

Frühmorgen und als es Tag kaum war,

Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

„Sie schenkten Met, sie schenkten Wein;

Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?“

„Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund,

Er probt allda sein Pferd und Hund.“

Die Braut hob auf den Scharlach rot,

Da lag Herr Oluf, und er war tot.

Johann Gottfried Herder (1744 – 1803)




Schreib einen Kommentar